Honigliebe …und warum man immer ein Glas im Bulli haben sollte.

 

 

Heute waren wir bei Dieter, dem Imker und Jäger aus dem Ruhrgebiet. Wir wollten „beim Imkern“ helfen und mal einen Eindruck bekommen, was die Bienchen so für uns leisten. Die Anfahrt durch den Pott lässt einen immer wieder staunen, wie effektiv konsequente Renaturierung eine Landschaft verändern kann. Der sogenannte Pott ist einer der urbanen Räume mit der höchsten Rate an Projekten der Renaturierung – und das sieht man auch. Innerhalb der Städte stehen viele große Bäume. Es gibt immer wieder Parks und grüne Freiflächen die üppig bepflanzt sind. Sobald man die Wohngebiete verlässt kommt schon ein Naturschutzgebiet. Es befinden sich also keine Felder mit Pestiziden in der Nähe. Die besten Voraussetzungen für ein gutes Imkerrevier. Bienen nehmen die Pestizide der Pflanzen mit in den Stock, bzw. der Honig vom Land weist häufig eine hohe Pestizidbelastung auf.

Dieter`s drei Bienenvölker leben mitten in einer kleinen Wohnsiedlung mit angrenzenden meist großen Gärten, die zu den Einfamilienhäusern gehören. Dieter hat in seinem großen Garten den er recht urig aber dennoch gepflegt hält einen Gartenteich. Er erzählt, dass seine Mädchen gerne viel trinken und die Nähe zu dem Teich mit seinen großen Seerosen sehr mögen. „Die Nachbarn haben keine Probleme damit – bzw. hier ist jedem klar das Bienen gebraucht werden – sonst gibt’s ja keine Äpfel, Kirschen und sonstige Ernten in den Gärten…“
Niko, der Sohn von Dieter hilft bei der Imkerei. Er hat sich schon den klassischen Imker-Anzug angezogen und legt los.

 

 

Er erklärt, während er ruhig und langsam die Deckel öffnet: “Es wurde vor 48 h eine Bienenflucht vor dem obersten Kasten eingebaut.” Das ist ein ca. 7 cm hoher Kasten mit einer Schleuse, die dafür sorgt dass nur noch Bienen aus dem oberen Kasten heraus kommen und keine mehr herein. Die in den Kästen hängenden Bienenwaben sind nach 2 Tagen weitestgehend bienenfrei. Nine´s Aufgabe bestand darin die paar restlichen Bienen mit einem Handfeger abzufegen. „Bloß nicht auf den Boden – besser hier in die Box – sonst treten wir noch drauf!“

In der Familie wird jeder einzelnen Biene Aufmerksamkeit geschenkt. Sobald ein Bienchen schwach in den Blüten hängt, wird sie beobachtet bis sie dann doch wieder zurück in den Stock fliegt. Eines Morgens lagen mal alle Bienen im nassen Gras und es war ihnen anscheinend zu kalt um wieder los zu fliegen. Dieter hat sie alle einzeln eingesammelt und geguckt das sie trocknen. Viel liebe zur Natur gehört zur Imkerei. Man muss die größeren Zusammenhänge und Zyklen der Natur verstehen um ein Bienenvolk zu halten.

Das entnehmen der Waben aus den 3 Bienenstöcken dauerte so ca. 30 Minuten. Es wurde so ca. 30 % der Waben entnommen. Für ein Bienenvolk zu dieser Jahreszeit kein Problem . Wirklich erstaunlich war. Kein einziger Stich keine Attacke – kein Rauch zur Betäubung – NICHTS … „Wenn de ne gute Königin hast – sind auch die Bienen gut …“ breites Grinsen bei Dieter. Es gibt anscheinend friedliche Völker und aggressive.

 

 

Wir haben so insgesamt 15 Waben aus 2 von 3 Völkern entnommen. „Mit dem dritten Volk stimmt irgendwas nicht – die lassen wir besser in Ruhe“. Die 2 bombenschweren Kisten, voll mit Waben, haben wir ins nebenliegende Gartenhäuschen gebracht. Das war meine Aufgabe. Dort stand gesäubert die Honigschleuder. Zuerst Hände waschen und Handschuhe drüber. Gleich wird’s klebrig.Überhaupt scheint die Kunst des Honigmachens hauptsächlich darin zu liegen den Honig zu kontrollieren. Das heißt: sämtliche Werkzeuge, Siebe und Kämme werden ausschließlich auf dafür vorgesehene, leicht zu reinigende Bleche oder Wannen gelegt. Nur so kann eine riesen Sauerei verhindert werden.

 

 

Die Waben werden aus den Kisten auf einen schrägen Ständer gelegt. Dort werden sie entkapselt. Die Wachs-Kapseln, welche die Waben verschließen, werden mit einem Kamm abgetrennt. Und ja klar – daraus könnte man Kerzen machen.

 

 

Die Waben kommen dann in die Zentrifuge. In ihr werden 4 Waben so schnell gedreht, dass der Honig leicht und gleichmäßig an die Wand geschleudert wird. Die Waben sind so angelegt, dass zu jeder Seite eine offene Wabe zeigt. Die Waben werden also einmal gewendet und erneut geschleudert.

 

 

Der Honig läuft dann in der Innenwand der Zentrifuge herunter und sammelt sich dort. Über ein Ventil wird er dann abgelassen. Noch kurz gesiebt und Abfüllbereit ist der traditionell hergestellte Honig.

 

 

Honig hat faszinierende Eigenschaften. Immerhin hat er alle Nährstoffe die eine Larve für die Entwicklung zu einer vollständigen Biene braucht. Darüber hinaus ist er antiseptisch – sozusagen desinfizierend – damit sich keine Pilze, Bakterien oder sonstige Keime in den Bienenstöcken ausbreiten können. Ich sag´s mal so: Ist euch schon mal aufgefallen das Honig selbst ungekühlt niemals so schimmelt wie Käse, Marmelade oder sonstiger Aufstrich? Wir haben immer Honig im Bulli. Ob für den Kaffee oder die Mittagsstulle. – Schlecht wird er nie. Honig im Tee gegen Halsschmerzen hat auch seinen Grund. Kalt gelöffelt ist er sicherlich noch wirkungsvoller, aber zur heilenden Wirkung von Propolis – dem Bienen-Wunder-Mittel kommen wir an anderer Stelle. Wir müssen Dieter noch überreden ein Propolis Sieb für uns einzusetzen … wir werden berichten.

Mal abgesehen von der Frage, ob ein Honig, der nicht industriell hergestellt und gereinigt wird, einen höheren Anteil von diesen heilenden Wirkstoffen hat: Der traditionell hergestellte Honig aus einer „kleinen Imkerei“ schmeckt viel aromatischer nach Blüten und kommt mir sehr viel gehaltvoller vor. Ich glaube ja, dass mein Körper schmeckt wenn etwas gut ist. Für mich muss Honig nicht noch großartig gereinigt werden. Ich habe von Dieter schon einige Honiggläser über die Zeit gegessen und es hat nie ein größeres Wachsstückchen gestört. Interessant war der Unterschied zwischen den einzelnen Honigwaben. Die älteren Waben sind dunkler und durchgehend verkapselt. Es ist mehr Wasser entwichen und deswegen ist älterer Honig süßer. Er kam aus einer anderen Zeit mit anderen Blüten und hatte eine komplett andere Geschmacksnote als der frische Honig.

Natürlich lohnt es sich nicht in einem so kleinen Rahmen die Waben getrennt zu bearbeiten. Bei einem kleinen Imker kommen in der Regel alle Arten von Blütennektar ins gleiche Glas. Ein ganz anderer Aspekt an dem Hobby Imkerei ist die Unterstützung der aussterbenden Biene. Das Aussterben der Biene sorgt bereits für dramatische Zustände in manchen Ländern. So werden in einzelnen chinesischen Obstplantagen hunderte von Arbeitern mit Pinseln durch die Äste geschickt, um Blüten zu bestäuben, damit die Bäume tragen. Neulich hab ich in einer Doku gesehen wie ein Amerikanischer „Imker“ Bienenstöcke zur Bestäubung an die Plantagenbesitzer vermietet hat. Ich meine zu erinnern, dass er 450 USD für eine Saison genommen hat und tausende Bienen vermietet. Der Honig wurde wegen der hohen Belastung mit Pestiziden nicht geerntet.

Für Nine und mich war es auf jeden Fall sehr spannend bei Dieter`s Bierchen. Es ging dann irgendwie schnell zu Ende. Dieter musste sowieso schon mittendrin gehen, um das Bienenmuseum des Vereins zu öffnen. Das war der Grund wieso wir zur Aushilfe gefragt wurden! Niko hat den restlichen Honig ausgekratzt und den Honigpott verschlossen. „Den lassen wir besser erst mal hier! Guckt mal raus. Die Bienen riechen den Honig und wollen rein.“ Tatsächlich lauerten draußen außergewöhnlich viele Bienen. Sonst kann man sich selbst an warmen Tagen problemlos 2-3 Meter an die Eingänge der Bienen heranwagen ohne, dass man sie überhaupt sonderlich bemerkt. Jetzt waren draussen “gefühlt tausende” Bienen auf Alarm. „Den Pott holen wir heute Abend, wenn die Bienen schlafen”. Ich fands auch besser jetzt erst mal keine extreme Honigspur durch den Garten zum Kuchentisch auf der Terrasse zu ziehen. Also insgesamt ein toller Einblick in die Herstellung des flüssigen Goldes.

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